 |
Entschärfung von
Leitschienen auf Motorradstrecken in Niederösterreich 2004 & 2005 |
 |
| |

Das Projekt wurde gefördert vom:
Land Niederösterreich
(VSF – Landesanteil NÖ) |
Projekt:
Leitschienenentschärfung
- Reduktion der Zahl schwerer Motorradunfälle in Niederösterreich
durch Entschärfung von gefährlichen Leitschienen auf vielbefahrenen
Motorradstrecken
Gegenstand des Projektes:
Die Folgen vieler Motorradunfälle werden durch
Leitschienen in Kurven noch verschlimmert. Oftmals wird der gestürzte
Motorradfahrer gegen die scharfkantigen Leitschienensteher geschleudert, die
dann zu schweren Verletzungen an Gliedmassen führen. Viele dieser Unfälle
führen zu Amputationen oder haben sogar tödlichen Folgen.
Die Problematik der scharfkantigen Leitschienen bei Motorradfahrern ist in
Österreich in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund des
Sicherheitsbewusstseins und damit in die öffentliche Diskussionen geraten.
Motorradfahrern ist die Thematik des Verletzungspotentials durch
Leitschienensteher schon seit langem ein Dorn im Auge und sie wünschen sich
daher eine motorradgerechte Modifizierung der Leiteinrichtungen. So geben
84% der Befragten der Motorradsicherheitsstudie „ride easy“ (Praschl 2000)
an, dass die Sanierung von Leitschienengefahrenstellen eine sinnvolle und
notwendige Maßnahme zur Steigerung der Motorradsicherheit ist.
Bikers Project hat sich gemeinsam mit der Motorrad Aktions Gruppe (MAG)
dieses Themas angenommen und im Winter 2004 ein
Leitschienensanierungskonzept entwickelt.
Ziel dieses Konzepts ist die Reduzierung von schweren Motorradunfällen
einerseits durch Setzung von baulichen Maßnahmen zur Entschärfung von
gefährlichen Leitschienen auf hoch frequentierten Motorradstrecken.
Andererseits soll durch eine umfassende Bewusstseinsbildung die Sensibilität
die die Problematik „Leitschienen und Motorrad“ sowohl bei Bikern als auch
bei öffentlichen Institutionen gehoben werden, um die Folgen von
Motorradunfälle im Bereich der Leitschienen nachhaltig zu reduzieren.
Mit der Förderung durch die NÖ Landesregierung, Spenden von der MAG
und der Familie Zorn, deren Beträge durch das Land NÖ verdoppelt
wurden und einem großzügigen Materialrabatt der Firma Leitschutz
konnten im 2 jährigen Projekt insgesamt 19 Kurven mit gefährlichen
Leitschienen mit einem Blechprofil-Unterfahrschutz oder einer
zweiten Leitschiene saniert werden.
Dank freiwilliger Übernahme der Montagearbeiten durch die örtlichen
Straßenmeistereien für die Streckenabschnitte am Grubberg, Hölltal,
am Hals und Frankenfels an der Pielach konnten mehr Kurven als
ursprünglich geplant saniert werden. |

Unterfahrschutz - Josefsberg bei km 63.6 |
Für die Durchführung der Leitschienensanierung hat sich die Firma
„Leitschutz“
(www.leitschutz.com) aus Grafenwörth (NÖ) gefunden, die bereits
Erfahrung mit der Aufstellung des Motorradunterfahrschutzsystem hat
(z.B. Strecke Dopplerhütte-Exelberg, Umfahrung Ebelsberg und St.
Aegidi in OÖ etc.) Gemeinsam mit den jeweils zuständigen
Straßenmeistereien, wurden durch die Fa. Leitschutz insgesamt 19
Kurven mit insgesamt ca. 1600 Laufmetern entschärft. |

Montagearbeiten am Rohrer Sattel |
Entschärfung gefährlicher Leitschienen
Auswahl der Leitschienen - Gefahrenstellen
Mit April 2004 wurden die ersten Schritte für die Realisierung des
gemeinsamen Leitschienensanierungsprojekts von NÖ – Landesregierung, Bikers
Project und der MAG (Motorrad Aktions Gruppe) gesetzt.
Basis für die Auswahl von potentiell
gefährlichen Kurvenabschnitten mit Leitschienen auf viel befahrenen
Motorradstrecken in Niederösterreich war ein mehrstufiger Prozess
unter Einbindung von:
-
der Bikers Project –
Leitschienengefahrenstellenanalyse,
-
der NÖ - Straßenbauabteilungen und
-
dem Kuratorium
für Verkehrssicherheit, das aufgrund der Unfallzahlen eine
Empfehlung zur Prioritätssetzung für die vorgeschlagenen
Streckenabschnitte abgab.
|

Gefahrenstellenanalyse im April 2004
auf dem Annaberg |
Nach gemeinsamer Abstimmung wurde dann eine
Leitschienen – Gefahrenstellendokumentation mit über 20 Kurven
zusammengestellt, die Basis für die endgültige Festlegung der zu sanierenden
Streckenabschnitte (insg. 19 Kurven) war und auch auf der Bikers
Project–Homepage begutachtet werden kann. Auf der Homepage konnten alle
Motorradfahrer durch Abstimmung an der Prioritätensetzung mitwirken und auch
weitere Streckenabschnitte zur Sanierung vorschlagen.
Streckenbesichtigung
Die gemeinsame Besichtigung für die Montagearbeiten der ersten sanierten
Streckenabschnitte bei Kleinzell, Kalte Kuchl, Rohrer Sattel und Höllental
fand Anfang Juni 2004 (bzw. im April für das Kampagnenjahr 2005) durch die
Firma Leitschutz, Bikers Project und den örtlichen Straßenmeistereien statt.
Dabei galt es die genaue Länge des unterhalb der Leitschiene anzubringenden
Unterfahrschutzes und die notwendige Höhe zwischen der ersten Leitschiene
und dem Untergrund zu berechnen, um eine vollständige Abdeckung des
Gefahrenbereiches schaffen zu können (siehe auch unten: das
Sanierungsmodell).
Dabei musste sowohl
- die Fahrtrichtung der
Motorradfahrer,
- der mögliche Anprallwinkel,
- die potentielle Rutschlänge entlang
der Leitschiene
- die Vermeidung eines Durchrutschens
oder Einklemmens unterhalb des montierten Unterfahrschutzes bei
gleichzeitigen Einhalten eines Mindestabstandes zwischen Untergrund und
Schutzprofils
berücksichtigt werden.
|
Bild unten:
Besichtung mit Fa. Leitschutz im Höllental
Bild rechts: gemeinsam mit Straßenmeistereiverantwortlichen für den
Grubberg - Streckenabschnitt |
 |
 |
|
Das Sanierungsmodell Die Entscheidung, welche Art von
Protektoren für die Entschärfung der Leitschienen am wirksamsten
waren, wurde auf Grund umfassender Recherchen und Überlegungen
gefällt. Das Modell eines Blech-Unterfahrschutzes für Motorräder
erwies sich als effizienteste Lösung. Dieses System ist in
Deutschland von der BAST (Bundesanstalt für Straßenbau) bereits
offiziell zugelassen worden und findet dort ebenfalls seine
Anwendung. |

Unterfahrschutz - Querschnittmodell |
Die Montage des Motorrad-Unterfahrschutzes ist einfach, flexibel und
rasch auf allen bestehenden Leitschienen durchführbar, da der
Unterfahrschutz einfach an den Leitschienensteher montiert und mit
Aufhängelaschen auf der Leitschiene an den (bei der neueren
Leitschienengeneration bereits vorhandenen) Montagelöchern verbunden werden
kann. Damit wird ein stabiles System garantiert, dass aber gleichzeitig die
Wucht eines möglichen Aufpralls etwas vermindert.
 |
 |
 |
| 1. Einer
Blechschürze aus verzinktem Stahlblech mit einer glatten
elastischen Oberfläche und einer Höhe von 37cm. Bei einem Aufprall
absorbiert sie dank ihrer Oberflächeneigenschaft und dem Nachgeben bis
zum hinten befindlichen Leitschienensteher die freigewordene Energie. |
2. Mittels
Aufhängelaschen wird die Blechschürze an den Montagelöchern
der Leitschiene verbunden und schließt das System nach oben hin ab. Bei
allen neueren Generationen von Leitschienen sind die notwendigen
Montagelöcher (2-3 pro Leit- schiene) bereits vorhanden und die
Ver- bindungslaschen mit dem Unterfahrschutz werden einfach an diesen
Stellen angeschraubt. Bei älteren Leitschienen- modellen, wie es zum
Beispiel auf den Strecken Kleinzell – Kalte Kuchl – Höllental der Fall,
müssen die Montagelöcher nach- gebohrt werden, was die Montagezeit aber
nur unwesentlich verlängert. |
3.
End- und Anfangmodule schließen das System längsseitig ab und geben
der Blechschürze stabilen Halt. Sie werden entweder an einem
Leitschienensteher angeschraubt oder mit einem im Boden verankerten
Montagepflock fixiert. |
| Voraussetzung für die Montage des Unterfahrschutzes
ist ein Mindestabstand von knapp 40cm, um die 37cm hohe Blechschürze
unterhalb der Leitschiene anbringen zu können. Jedoch darf der Abstand
zwischen Boden und der Leitschiene auch nicht höher als 50cm sein, um
eine durchgehende Abdeckung, mit 1 bis maximal 5cm Freiräumen (Spalt)
zwischen Untergrund – Unterfahrschutz – Leitschiene zu garantieren, und
das Verletzungspotential durch ein mögliches Durchrutschen oder
Einzwicken im großen Maße reduzieren zu können. Damit wird ein stabiles und wirksames System zur Leitschienen -
Gefahrenentschärfung für Motorradfahrer geschaffen, da der Unterfahrschutz:
- Schutz vor scharfkantigen Leitschienen und -stehern bietet,
- das Durchrutschen oder Einzwicken unterhalb der Leitschiene verhindert,
- den Anprall durch die nachgebende Schürze dämpft und das Abrutschen durch
die glatte Oberfläche erleichtert
und somit das Verletzungspotential bei einem möglichen Motorradunfall
drastisch reduzieren.
Bei 3 Kurven im Höllental war der Abstand zwischen Untergrund und
Leitschiene für die Installation einer Blechschürze zu knapp. In diesen
Fällen bot sich eine Installation einer zweiten Leitschiene an,
welche ebenfalls von der Fa. Leitschutz besorgt und installiert wurde.
|
 |
Sanierte Leitschienen-Gefahrenstellen:
2005
2004
Weitere Informationen zum NÖ - Leitschienensanierungsprojekt:
Leitschienensanierung 2005 in NÖ
Pressemeldung: Mehr Sicherheit für Motorradfahrer
Pressemeldung: Neue motorradfreundliche Leiteinrichtungen auf Biker-Route
Unterfahrschutz - Montage: Die Kurven sind saniert (NÖ - Projekt 2004)
Text: Leitschienenentschärfung in NÖ - Jetzt wird es ernst!
Text: Kurven zu kaufen!
Kampagne zum Leitschienensanierungsprojekt
Leitschienen - Gefahrstellendokumentation
Fotogalerie
Werbemittel |