Ein Projekt gegen Motorradunfälle

Neue Leitschienenverkleidung

   
   

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Neue innovative Leitschienenverkleidung: Vorstellung und erstes Resümee

 

Die „Arbeitsgemeinschaft Verkehrssicherheit“ aus Ohlsdorf, bestehend aus den Firmen Asamer GVG, Greiner Perfoam und Forum Pro entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Fahrzeugsicherheit an der Technischen Universität Graz, sowie der Abteilung Verkehrstechnik vom Land OÖ, ein innovatives Rückhaltesystem, das speziell auf die Bedürfnisse der Zweiradfahrer abgestimmt wurde.
Das entwickelte Rückhaltesystem, bestehend aus Anpralldämpfern und einem gummibeschichteten Stahlband, verhindert eine direkte Berührung des gestürzten Motorradfahrer mit der Leitschiene, wodurch schwere Verletzungen, speziell durch den Anprall an den Leitschienenstehern verhindert werden.

Durch die relativ schonende Umlenkung des Motorradfahrers, sowie durch das Verhindern des Verhakens am Leitschienensteher, ist laut OÖ-Landesregierung eine Reduktion der tödlichen Motorradunfälle im Kurvenbereich um ca. 30% zu erwarten.

Dieses System zeigt auch Vorteile für den PKW. Durch das vorhandene Metallband werden PKW-Unfälle entschärft, da die Leitschienensteher weniger weit in das Fahrzeug eindringen und die Gefahr eines verhakten Stoßes mit anschließender Rotation in den Gegenverkehr verringert wird.

An der Technischen Universität Graz wurde in Kooperation mit einer Gummi-Recyclingfirma ein numerisches Computermodell entwickelt, mit dem auf einer Großrechneranlage mehr als 30 Leitschienenkollisionen von Motorradfahrern im Detail analysiert wurden. Nach Abschluss der Unfallanalyse am Computer, wurden basierend auf diesen Erkenntnissen Realunfallversuche durchgeführt.

Diese Unfallversuche führte die Firma DSD Dr. Steffan Datentechnik GmbH aus Linz mit einem 50 % Hybrid III Dummy (ca. 80 kg) vorgenommen.
Bei den aufwändigen Crashtests (1 Dummy-Versuch kostet etwa € 10.000, eine Computersimulation benötigt ca. 12 Stunden Rechenzeit) wurden u.a. die Blechstärken und die Reibungswerte der Gummiauflage optimiert.

   
Testversuch mit realen Versuchsmodellen


Computersimulation

Diese Realunfallversuche bestätigten die aus den Computersimulationen gewonnenen Erkenntnisse. Der Bewegungsablauf des Dummy zeigt, dass es bei entsprechend niedrigen Reibungswerten des Rückhaltesystems nur zu einer reduzierten Rutschbewegung im Auslauf kommt. Durch den konstruktiven Aufbau des Rückhaltesystems wird sehr viel Bewegungsenergie abgebaut und durch das Entlanggleiten an der Leitschiene das gefürchtete Rückschleudern auf die Fahrbahn des Gegenverkehrs weitgehend unterdrückt.

Um dieses System in der Praxis erproben zu können, wurden vom Land OÖ verschiedene Versuchsstrecken eingerichtet, um erste  Anwendungserfahrungen zu sammeln. Der vorläufig festgelegte Beobachtungszeitrum beträgt 1 Jahr.
Praxiserfahrungen liegen bisher für die Wintersaison und Frühjahr vor. Die Schneeräumung verlief nach kurzer Eingewöhnung der Straßenmeistereien problemlos, bis auf einige Beschädigungen der Gummischicht durch Schneepflüge.

Aufgrund erster Erfahrungen wird das System verbessert. Z.B.:

  • Rückstrahler sind derzeit zu hoch und werden mit nachgebender, elastischer Befestigung nach unten gerückt.
  • Der Kleber wird verbessert.
  • Der obere Abschluss wird verändert: Die Platten werden über den Leitschienenrand nach hinten gebogen und im Abschlussbereich beidseitig gummiert.
  • Auch die Durchgängigkeit für Kleintiere (unterer Rand) wird optimiert (Naturschutz!).
  • Überlegt wird auch die Farbgebung, um eine optimale optische Leitung durch die Kurve zu erreichen. Die derzeitige grüne Farbe passt zwar gut in die Landschaft, muss aber noch bzgl. Leitfunktion überdacht werden. Evtl. kann die Fläche des Unterfahrschutzes auch für Warn-/Leiteinrichtungen (Pfeile etc.) eingesetzt werden.
  • Die Reparaturfreundlichkeit soll noch optimiert werden.
  • Es wird auch untersucht, ob die üblichen Längen der Rückhaltesysteme für Motorräder optimal sind - möglicherweise müssten diese oft länger sein (Ergebnisse werden im Jahresende erwartet).

Es wurde angeboten, dass auch mögliche Versuchsstrecken in NÖ von der OÖ-Landesregierung mituntersucht werden, evtl. auch die Stellen, die mit dem Blech-Unterfahrschutz der Fa. Leitschutz saniert wurden.
In NÖ wird jetzt diskutiert, ob einige Kurven testweise mit dem neuen System ausgestattet werden sollen.

Schlussfolgerung:

Das System sollte sich meiner Meinung nach noch über den Sommer eine Bewährungsprobe abliefern (Haltbarkeit bei starker Sonneneinstrahlung? Verwitterung? Austrocknung bzw. Versprödung des Gummimaterials? Haltbarkeit des Klebers bei Temperaturschwankungen?, Konstanz der Reibungswerte der Oberfläche nach langer Sonnenbestrahlung etc.).

Bei positivem Abschluss muss dann überlegt werden, welche Systeme den höchsten Kosten-Nutzen-Wert bringen. Mit welchen Systemen können insgesamt die Unfallfolgen am geringsten gehalten werden. Das "gummierte" System wird inkl. Wartungsaufwand voraussichtlich etwa doppelt so viel kosten wie der Blech-Unterfahrschutz - d.h. mit dem gleichen Budget können damit halb so viele Kurven ausgestattet werden. Hier muss genau abgewogen werden, was sinnvoller ist.

Insgesamt war der Eindruck der OÖ-Präsentation sehr positiv und erfolgversprechend und wir wissen es sehr zu schätzen, dass sich jemand so intensiv mit der Sicherheit der Motorradfahrer befasst.
 

zusätzliche Fotos:

Ende April 2005 fand auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft eine Präsentation des neuen Rückhaltesystems mit Vertretern der Landesregierungen von NÖ und OÖ, Straßenmeisterei und Bikers Project statt:

 

Versuchsstrecken mit Verkleidungsmodell in OÖ:

   

(zum Vergrößern anklicken, 800x600 Pixel)
 

 

 

© Michael Praschl, Stättermayergasse 32/16 1150 Wien, Tel.: +43 1 494 80 60