Kreativitätstraining

 

Ziel: schnelle, flexible und vielfältige Ideenproduktion in Beruf und Freizeit. 

 

Kurzfassung eines Artikels zum Thema "Kreativitätstraining"

Was fällt Ihnen eigentlich ein
Michael Praschl

Grundsätzlich lässt sich dazu sagen, dass in allen Menschen ein enormes Potential an Kreativität schlummert, das aber oft unter einem ganzen Berg erziehungsbedingter "Hemmnisse" begraben liegt. Bereits ab dem fünften Lebensjahr nimmt die Kreativität kontinuierlich ab, da in unserem Kulturkreis - insbesondere in der Schule - schwerpunktmäßig darauf geachtet wird, dass keine "Denkfehler" unterlaufen, womit auch originelle und ungewöhnliche Denkwege unterdrückt werden.

Schlussfolgerndes und sprunghaftes Denken

Belohnt wird das schlussfolgernde, zielgerichtete Denken (=konvergentes oder vertikales Denken). Es ist überall dort angebracht, wo in einer gegebenen Situation die Fehlerwahrscheinlichkeit minimiert werden soll.

Dem konvergenten Denken steht das divergente oder laterale Denken gegenüber. Es ist gekennzeichnet durch einen schweifenden und springenden Verlauf, der nicht an Regeln gebunden ist.

Divergentes Denken ist überall dort angebracht, wo zunächst nach verschiedenen Alternativen gesucht wird, oder wo man in scheinbar ausweglosen Situationen nach neuen Möglichkeiten sucht oder überhaupt "aus dem Gefängnis der alten Ideen" ausbrechen und neue Wege finden will. Dieses sprunghafte Denken genießt bei uns kein hohes Ansehen ("Spinner") und wird in Schule und Beruf kaum gefördert, obwohl man eigentlich erkennen müsste, dass genau dort der wichtigste "Trumpf" des Menschen zur Problembewältigung liegt und genau darin die haushohe Überlegenheit gegenüber jeder Maschine zu finden ist.

Durch spezielle Trainings kann die Fähigkeit zu divergentem Denken wieder aktiviert werden.

Punkt-Übung

Ein Beispiel zum Training des divergenten, sprunghaften Denkens ist die "Punkt-Übung" (Praschl 1994), bei der die Teilnehmer ein Blatt mit einem schwarzen Punkt (ca. 1cm Durchmesser) vor sich haben und Lösungen dafür finden sollen, was diese Zeichnung darstellen könnte.

Zumeist bringt erst der Hinweis, dass auch ungenaue Lösungen zulässig sind, das Denken in Schwung. Von einer Seminargruppe wurden in kurzer Zeit über 100 Lösungen gefunden: von der verbrannten Mozartkugel, über den Blick durch den Fotoapparat mit Deckel am Objektiv bis zu abstrakten Ideen wie "negativer Standpunkt".

siehe auch: weitere Lösungen + Exkurs "Brainwriting"

Diese Übung zur "Präzisionsvermeidung" macht deutlich, dass bei der Suche nach Lösungen der Blickwinkel aufgrund der gelernten hohen Gewichtung absoluter Präzision zumeist viel zu stark eingeengt wird.

Kreativität versus Systematik

Intuitionen, plötzliche Einsichten kommen nie aus heiterem Himmel, sondern basieren auf rationaler Vorarbeit, auf Kenntnis aller verfügbaren Daten, auf Fleiß und auf fast detektivischem Spürsinn. Wissen und systematisches Denken (z.B.: Problemzerlegung) stehen nicht im Widerspruch zur Kreativität sondern sind besonders wichtige Ideenquellen.

Gespräche mit Erfindern zeigten, dass die in der Praxis am häufigsten angewandte Methode der Ideenfindung der Transfer vorhandener Lösungen in andere Bereiche ist. Ich prüfe also, ob Lösungen in anderen Bereichen (z.B. in der Natur, in anderen technischen Gebieten, in anderen Kulturen, etc.) auch auf mein Problem, oder auf einen Teilbereich meines Problems anwendbar sind. Dazu ist es wichtig, das "Wesen" des zu lösenden Problems richtig zu erfassen, um Analogien - z.B. in der Natur - überhaupt erkennen zu können. Denkt man etwa an die noch immer nicht befriedigend gelöste Problematik der Ketchup-Portionierung, kann das "Wesen" des Problems unterschiedlich interpretiert werden: geht es....

a) um das Problem der Aufbewahrung und Verwendung einer dickflüssigen Masse oder
b) um das Problem der speziellen Würzung von Speisen?

Je nach Ansatz würden sich die Lösungsvorschläge in verschiedene Richtungen entwickeln.

Es gibt Kreativitätstechniken die einerseits bei der Analyse des Problems aus verschiedenen Blickwinkeln ansetzen und andererseits das Problem in Teilprobleme zerlegen, zu denen dann jeweils getrennt Lösungsalternativen entwickelt werden (evtl. sogar von verschiedenen Personen), die dann wiederum in verschiedenen Kombinationen zusammengefügt werden ("Morphologischer Kasten").

Diese Kombination von systematischer Strukturierung und freier, auch ausschweifender Ideenproduktion, bringt erfahrungsgemäß sehr brauchbare Ergebnisse.

Kreativitätstechniken

Es gibt verschiedene Methoden, durch freies Assoziieren, bilden von Gedankenketten, Metaphern oder Analogien Intuitionen "herauszufordern". Die meisten bekannten Methoden beziehen sich auf eine, im Berufsalltag allerdings nur selten spontan organisierbare, Teamarbeit (z.B.: Brainstorming, Synectics, Brainwriting). Zumeist ist man bei der Ideenfindung auf sich selbst angewiesen. Besonders alltagstauglich sind daher diejenigen Ideenfindungstechniken, die auch ohne Teamunterstützung eingesetzt werden können.

Darunter fallen Techniken, die Analogiebildungen, Assoziationen, Perspektivwechsel erleichtern sowie Problemzerlegungstechniken etc.

Kann Kreativität gelernt werden?

Zumeist muss Kreativität gar nicht gelernt werden. Es genügt, die Kreativitätsbarrieren zu erkennen und durch entsprechendes Training abzubauen. Zusätzlich können Techniken und Tricks für eine mühelose und schnelle Ideenfindung gelernt werden. Unsere Seminare richten sich speziell auf die Zielsetzung einer schnellen, flexiblen und vielfältigen Ideenproduktion in Beruf und Freizeit, wobei besonderer Wert auf die direkte Umsetzung im Alltagsleben gelegt wird.

"Die meisten Marketing- oder Organisationsprobleme, aber auch die Lösung gesellschaftlicher Probleme - man denke nur an Umwelt, Verkehr, Arbeitsmarkt, Tourismus, allgemeine Wirtschaftsentwicklung, etc. - erfordern in erster Linie Ideenreichtum."

Viele kommen aber erst gar nicht auf die Idee, eigene Ideen haben zu können!

Ideenreichtum ist nicht nur der entscheidende Wettbewerbsvorteil, sondern auch eine sichere Quelle für Spaß und Vergnügen!

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Michael Praschl unterrichtet "Kreativitätstraining" an der Werbeakademie (WIFI Wien).