Die Ergebnisse einer aktuellen, vom
Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds geförderten
wissenschaftlichen Studie zum Thema "Schnellfahren" geben
Anlass zum Nachdenken:
Trotz steigender Unfallzahlen wollen immer mehr Österreicher
kräftig aufs Gas steigen.
63% wünschen sich ein höheres Tempolimit auf der Autobahn.
Vor fünf Jahren waren es noch 40%.
Bezeichneten sich 1995 noch 50% als "zurückhaltende,
vorsichtige Fahrer" sind es heute nur mehr 42%.
Die wichtigsten Gründe des Schnellfahrens:
Neben dem Termindruck kristallisierten sich vier Hauptgründe
für das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit heraus:
a) Überraschenderweise wird mit Abstand am häufigsten das
Fahrzeug als Grund des Schnellfahrens genannt. Über 60% der
Lenker geben an, häufig schneller zu fahren, weil das Auto
so ruhig auf der Straße liegt und die hohe Leistung zu
höherer Geschwindigkeit verleitet. Dazu passt auch, dass 50%
der Lenker zugeben, häufig schneller unterwegs zu sein, als
sie es für vernünftig halten.
b) Ungeduld und die Gewöhnung an eine höhere Geschwindigkeit
sind ebenfalls wichtige Motive des rasanten Fahrens. 78% der
rasanten Fahrer stimmen der Aussage "Man gewöhnt sich halt
eine bestimmte Geschwindigkeit an" zu und 70% der Aussage
"Man braucht eine gewisse Geschwindigkeit, sonst langweilt
man sich".
c) Für Schnellfahrer ist auch die Lust an der
Geschwindigkeit ("der Adrenalinkick") ein wichtiger Anreiz.
Für 60% der flotten Lenker ist Fahren mit hoher
Geschwindigkeit ein angenehmes, prickelndes Gefühl, das man
gerne auskostet.
d) Das menschliche Grundbedürfnis, Fähigkeiten und
Fertigkeiten zu trainieren, einzusetzen und zu demonstrieren
ist ebenfalls ein Faktor, der zum Schnellfahren führt. Für
viele Lenker ist es ein Genuss, schwierige und riskante
Situationen zu meistern. Dies führt zu einer Steigerung des
Selbstwertgefühls, die häufig in eine "Selbstverherrlichung
als Fahrer" mündet.
Über 90% der österreichischen Autolenker halten sich selbst
für hervorragende Fahrer.
Der Projektleiter der Studie, Motivforscher Mag. Michael
Praschl konstatiert, dass vor allem zwei Phänomene die
Verkehrssicherheitsarbeit besonders schwierig machen:
a) Die meisten österreichischen Lenker halten sich für
hervorragende Fahrer.
94% sind davon überzeugt, über eine hervorragende
Reaktionsfähigkeit zu verfügen, 93% meinen, ihr Fahrzeug
generell hervorragend zu beherrschen. Diese "grandiose"
Selbsteinschätzung führt dazu, dass es fast 90% der Lenker
für ausgeschlossen halten, jemals einen Unfall zu
verursachen. Die klassischen Verkehrssicherheitsappelle
prallen an dieser Selbsteinschätzung wirkungslos ab und
werden nur "als für die anderen gültig" betrachtet.
b) Vor allem den männlichen Lenkern ist es enorm wichtig,
als gute Fahrer zu gelten. Ein hervorragender Lenker zu
sein, ist für viele Österreicher ein elementarer Bestandteil
ihrer Persönlichkeit bzw. ihres Selbstwertgefühls. Durch
nichts kann man Männer mehr beleidigen, als durch eine
Anzweiflung ihres Fahrkönnens! Diese Wichtigkeit des
Autofahrens für den Selbstwert ist auch Ursache der vielen
Aggressionen im Straßenverkehr, da Lenker selbst die
geringste Infragestellung ihres Fahrkönnens als extrem
verletzend empfinden und daher leicht aus der Fassung zu
bringen sind.
Im Rahmen der, vom Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds
geförderten Studie: "Effektive Argumentation gegen
Schnellfahren" (Autor: Mag. Michael Praschl, 414
Tiefeninterviews mit Auto- & Motorradfahrern) wurden unter
anderem zahlreiche Argumente entwickelt und getestet, um
Fahrzeuglenker zu einem sicherem Fahrstil zu motivieren.
Diese Studie wird demnächst vom Bundesministerium für
Verkehr, Innovation und Technologie veröffentlicht.
Rückfragen:
Mag. Michael Praschl
Stättermayergasse 32/16
A-1150 Wien
www.vsicher.at
Tel.: (+43) 1 / 494 80 60
Fax: (+43) 1 / 494 84 47
Mobil: 0699 10447722
praschl@aon.at
|