Speedless - Die wichtigsten Gründe des Schnellfahrens

 


Michael Praschl 2000: speedless - Effektive Argumentation gegen Schnellfahren.
Gefördert aus den Mitteln des Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds


Die Österreicher werden immer schneller:

Der Anteil der "zurückhaltender Fahrer" sank seit 1994 von 50% auf 42% ab, der Anteil der "zügig-aktive Fahrer" stieg von 41% auf 46% und der Anteil der "rasante Fahrer" von 10% auf 12%. Die gleiche Tendenz zeigt sich bei der Einstellung zu Tempolimits.

  • Eile wegen vorgegebener Termine wurde von am häufigsten als Schnellfahrgrund genannt (82%), am häufigsten von den rasanten Fahrern (92%). Die hohe Gewichtung der Termine ist zum Teil natürlich eine klassische Rationalisierung, ein sozial akzeptierter Schnellfahrgrund, der auch häufig als Rechtfertigung bei Anhaltungen wegen Schnellfahrens durch die Exekutive genannt wird.
Besonders bemerkenswert ist die enorm hohe Gewichtung der folgenden Schnellfahrmotive:
  • Man merkt die hohe Geschwindigkeit oft gar nicht, weil das Fahrzeug so ruhig auf der Straße liegt. (63%, rasante Fahrer: 84%)
  • Gut ausgebaute Straßen verleiten zu hoher Geschwindigkeit (58%, rasante Fahrer 78%) und
  • Die hohe Leistung des Fahrzeuges verleitet zu höherer Geschwindigkeit, die man ja problemlos erreichen kann (50%, rasante Fahrer 76%, unter 25-Jährige: 60%)
Diese drei Gründe wurden insbesondere von rasanten Fahrern als sehr häufige Schnellfahrgründe genannt. Ein Ergebnis, das den Fahrzeugkonstrukteuren und Straßenbauern zu denken geben sollte. Gerade von rasanteren Fahrern wird in Diskussionen oft bestritten, dass eine hohe Motorleistung negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit hat. Weiters geben knapp 50% aller Lenker zu (bei zügig-aktiven und rasanten Fahrer sogar 60%), dass sie häufig schneller unterwegs sind, als sie es für vernünftig halten.

Speziell von rasanten Fahrern wurden auch die folgenden Gründe häufig genannt. Bei den unterstrichenen Aussagen liegen besonders hohe Distanzen zu den zurückhaltenden Fahrern vor. Diese Aussagen haben also eine besonders hohe Aussagekraft:

  • Man gewöhnt sich halt eine bestimmte Geschwindigkeit an. (53%, rasante: 78%)
  • Ich fahre ungern hinter anderen Fahrzeugen nach. (34%, rasante: 73%!)
  • Man braucht eine gewisse Geschwindigkeit, sonst langweilt man sich.
  • (27%, rasante: 70%!)
  • Ein flotter Fahrstil gehört einfach zu meinem Lebensstil. (25%, rasante 70%!)
  • Man will einfach rasch am Ziel sein (Ungeduld). (39%, rasante 70%!)
  • Es macht Spaß, die Kraft und Dynamik des Fahrzeuges zu spüren. (36%, rasante 68%)
  • Man läßt sich von anderen Fahrern mitreissen. (36%, rasante 62%)
  • Das Gefühl, das Fahrzeug wirklich perfekt zu beherrschen ("Im Griff zu haben") gibt mir sehr viel. (36%, rasante: 59%)
  • Fahren mit hoher Geschwindigkeit ist ein angenehmes, prickelndes Gefühl, das man gerne auskostet. (29%, rasante 59%!)
  • Manche Strecken kann man nur mit höherer Geschwindigkeit richtig auskosten. (24%, rasante 59%!)
  • Mein Fahrzeug ist ganz einfach für höhere Geschwindigkeiten gebaut. (22%, rasante 58%).
    Hat man also einmal ein schnelles Auto, wird man im Regelfall auch schnell damit fahren.
Bei den rationalen Gründen (Termine, etc.) sind die Distanzen zwischen rasanten und zurückhaltenden Fahrern weniger groß, als bei den emotionalen Gründen.
Besonders stark unterscheiden sich
rasante von zurückhaltenden Fahrern durch ihr Wettbewerbs- bzw. Dominanzdenken ("Fahre ungern hinter anderen nach"), durch ihre Ungeduld ("Brauche eine gewisse Geschwindigkeit, sonst langweile ich mich.", "Will einfach rasch am Ziel sein."), durch ihre Identifikation mit einem rasanten Fahrstil ("Ein flotter Fahrstil gehört einfach zu meinem Lebensstil"), sowie durch die allgemeine Lust an der Dynamik rasanten Fahrens.

Jüngere Fahrer (bis 25 Jahre) gewichten fast alle Schnellfahrmotive etwas stärker als ältere Fahrer, signifikant häufiger gaben sie die folgenden Gründe an:

  • Die hohe Leistung des Fahrzeuges verleitet zu höherer Geschwindigkeit.
  • Eile wegen eigener Zeitplanung (Man kommt immer zu spät weg).
  • Man wird von anderen Fahrern getrieben. Man will schließlich den zügigen Verkehrsfluß nicht behindern.
  • Es macht Spaß, die Kraft, Dynamik und Beschleunigung des Fahrzeuges zu spüren.
Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind nur bei einigen Kriterien deutlich ausgeprägt.
  • Frauen lassen sich weniger stark durch gut ausgebaute Straßen zu höherer Geschwindigkeit verleiten,
  • haben weniger Probleme damit, hinter anderen Fahrzeugen nachzufahren,
  • sind beim Fahren geduldiger und brauchen nur selten eine höhere Geschwindigkeit, um sich nicht zu langweilen.
Die Motive der Berufsfahrer unterscheiden sich kaum von denen anderer Lenker. Berufsfahrer wollen häufiger "einfach rasch am Ziel sein", lassen sich weniger von anderen Fahrern treiben, neigen aber etwas mehr zu Erprobungs- und Perfektionierungsverhalten (an Grenzen herantasten, etc.).

Im Vergleich zu unfallfreien Lenkern stimmen "Unfallenker" dem Schnellfahrgrund "Ich fahre einfach ungern hinter anderen Fahrzeugen nach" deutlich öfter zu. Dies ist offenbar eine Eigenschaft, durch die sich die Unfallgefährdung deutlich erhöht. Unfalllenker zeichnen sich außerdem durch weniger Geduld aus und dadurch, dass sie sich leichter zu höherer Geschwindigkeit verleiten oder provozieren lassen.

Für Motorradfahrer zeigt sich ein ganz anderes Bild. Wesentlich höher wurden die folgenden Motive gewichtet:
 

  • Es macht Spaß, die Kraft, Dynamik und Beschleunigung des Fahrzeuges zu spüren.
  • Das Gefühl, das Fahrzeug wirklich perfekt zu beherrschen ("im Griff zu haben") gibt mir sehr viel.
  • Die hohe Leistung des Fahrzeugs verleitet zu höherer Geschwindigkeit, die man ja problemlos erreichen kann.
  • Ich fahre einfach ungern hinter anderen Fahrzeugen nach.
  • Eine Kurvenkombination wirklich gut gefahren zu sein, ist ein befriedigendes Gefühl.
  • Manche Strecken kann man nur mit höherer Geschwindigkeit richtig auskosten.
  • Fahren mit hoher Geschwindigkeit ist ein angenehmes, prickelndes Gefühl, das man manchmal gerne auskostet.Man braucht eine gewisse Geschwindigkeit, sonst langweilt man sich.